Das Krankenhaus am Rande der Stadt

Das Hellersdorfer Vivantes-Krankenhaus wird bis 2014 neu gebaut

Kaulsdorf – Bis 2014 entsteht auf dem Vivantes-Krankenhausgelände an der Myslowitzer Straße ein fast völlig neues Krankenhaus mit Psychiatrie (dafür wird der Standort am Brebacher Weg aufgegeben) sowie sechs weiteren Fachabteilungen und Rettungsstelle.

Im Herbst kommenden Jahres beginnen die Bauarbeiten für die Psychiatrie. Die Investitionskosten von rund 23 Millionen Euro (Fertigstellung 2011) trägt Vivantes. Für die Gebäude der anderen medizinischen Abteilungen werden im zweiten Bauabschnitt (bis 2014) nochmals 32 Millionen Euro benötigt. Vivantes-Geschäftsführer Joachim Bovelet hofft dabei auf finanzielle Unterstützung vom Land Berlin, denn die Neubauten brächten auf Dauer gesehen Einsparungen. „Wir verringern damit die Gesamtfläche und damit Infrastruktur- und Instandhaltungskosten.“ Grund: Der Standort am Brebacher Weg wird aufgegeben. „Wir werden bald den kostenintensiven Standort vom Netz nehmen“, hieß es im September während eines Pressegespräches mit den Vivantes-Vertretern.

Im September wurde das modernisierte Haus 7/7a offiziell übergeben. Kleines Bild: Das Siegermodell des neuen Krankenhauses, das 2014 fertig sein soll.

Fotos: Dittmann

In Biesdorf (ehemals Griesinger) gibt es 33, teils denkmalgeschützte Häuser. 15 der kleineren wurden bereits veräußert. In Kaulsdorf werden bis auf das große, gerade fertig sanierte, umgebaute und erweiterte Haupthaus 7 (mit Rettungsstelle, Intensivmedizin, Endoskopie, Radiologie, Labor und Diagnostik) peu a peu die anderen sieben Gebäude abgerissen. Darunter der Küchentrakt von 1990 sowie das erst vor ein paar Jahren sanierte Gebäude der Geburtsklinik. Immerhin wurden 3,5 Millionen Euro für die 2004 begonnene Sanierung von Haus 6 und Haus 10 ausgegeben. Dazu sagt Joachim Bovelet: „Krankenhäuser veralten alle paar Jahrzehnte und müssen erneuert oder neu gebaut werden , um mit den Qualitätserkenntnissen und Prozessen in der Patientenversorgung Schritt halten zu können und effizientes Wirtschaften möglich zu machen.“ Umbau und Modernisierung des Herzstückes des Krankenhauses, Haus 7 und 7a (das Gebäude wurde Anfang der 40er Jahre als Arbeiterwohnlager errichtet), kosteten rund 12 Millionen Euro.

Das in einem Architektenwettbewerb gekürte Siegermodell des neuen Krankenhauses zeigt zwei- und dreigeschossige Bauten, zum Teil Pavillons, die mit gläsernen Gängen miteinander verbunden sind, großzügige Innenhöfe mit viel Grün sowie 135 Besucherparkplätze. Gegenwärtig hat das Krankenhaus 559 Mitarbeiter und 430 Betten. 2007 wurden hier 30 118 Patienten betreut, davon 13 719 stationär. 2007 wurden im Krankenhaus 1207 Kinder geboren, mehr als in vergangenen Jahren.

 Interessante Ausstellung zur Geschichte

Im neuen Haus 7 ist eine Ausstellung zur Geschichte des Krankenhausstandortes Alt-Kaulsdorf 71-87 zu sehen, die im wesentlichen auf Recherchen von Bernd Maether beruht. Die Generalbauinspektion Berlin hatte ein sogenanntes Arbeiterwohnlager für 1000 Fremdarbeiter am Münsterberger Weg geplant, die für den Bunkerbau eingesetzt werden sollten. Im Oktober 1940 war Baubeginn. Es entstanden fünf Holzbaracken und zwei zweistökkige Massivbauten, 1942 wurde das Wohnlager zum Hilfskrankenhaus. 1943 bis 45 war es mehreren Bombenangriffen ausgesetzt. Am 21. April wurde es dem DRK übergeben, am 1. 9. 45 dem Stadtbezirk Lichtenberg. Es wurde zum Städtischen Krankenhaus (1959 hatte es 560 Betten).

1997 fusionierte das Krankenhaus mit dem Wilhelm-Griesinger- Krankenhaus, 2001 übernahm der städtische Vivantes-Konzern das Klinikum Hellersdorf. Damals gab es Überlegungen, den Standort ganz aufzugeben. Dagegen hatte sich massiv Protest geregt und die Pläne wurden aufgegeben.

 Ingeborg Dittmann